Rückblick 2002

Walküren und Gralsritter haben es Hans Dieter Krath angetan

Der Banker ist Vorsitzender des Richard Wagner Verbandes Solingen/ Bergisch Land e.V.. Am Samstag veranstaltet der Verein sein Stipendiatenkonzert im Klingenmuseum.

 

 

 

 

 

Von STEFAN GILSBACH


BERGISCHES LAND. Schon die Adresse klingt nach deutscher Romantik - ,,Zur Waldesruh’’ . Doch Hans Dieter Kraths Zuhause in einem Wuppertaler Villenviertel ist durchaus modern, hat keine Ähnlichkeiten mit Haus Wahnfried, Richard Wagners Bayreuther Domizil. Drinnen herrscht kultivierte Bürgerlichkeit. Die Wände schmücken Gemälde von Kraths Großonkel Georg Macco: Landschaften, eine Akropolis. ,, Er stammte aus der Düsseldorfer Malerschule’’, erklärt Krath
Der Hausherr wurde in Potsdam geboren, stammt aber aus einer Wuppertaler Bankiersfamilie. Deren Tradition führt er fort, arbeitet als Vermögensberater für ein großes Bankhaus. ,, Aber lassen Sie uns von Wagner reden’’ , lenkt der 59-Jährige das Gespräch auf sein liebstes Thema. Die Präsenz des Bayreuther Meisters ist nicht zu übersehen. Im CD-Regal stehen erlesene Aufnahmen der Musikdramen dicht an dicht, daneben Video-Aufzeichnungen der Festspielaufführungen. Selbst Raritäten wie Wagners Jugendwerke,, Die Feen’’ oder ,, Das Liebesverbot’’ , die dem Meister später peinlich waren, hat Krath in seiner Sammlung. ,, Die waren sehr schwer zu besorgen’’ , sagt er mit liebevollem Blick auf die CD-Boxen, ,, übrigens ist das wunderschöne Musik.’’  

Seit sechs Jahren engagiert sich Hans Dieter Krath in den Wagnerverbänden . Vor drei Jahren wurde er Vorsitzender der Ortsgruppe Solingen /Bergisch Land , einer von 45 in Deutschland. 80 Mitglieder hat der Verein derzeit . Internationaler Dachverband ist der Richard Wagner Verband International , der sich jährlich zu Kongressen trifft. ,, In diesem Jahr, in Sevilla, waren wir nicht dabei, dafür fahren wir im nächsten Jahr nach Kopenhagen.’’ Die Begeisterung für die Welt der Walküren, Rheintöchter und Gralsritter sei erst in Laufe seines Lebens gewachsen, sagt Krath zu einem verstorbenen Konzertmeister der Wuppertaler Sinfoniker, Gert Hulverscheidt, der 27 Jahre im Bayreuther Festspielorchesters spielte .

Warum gerade Wagner? Eine schlüssige Erklärung dieser Faszination fällt Krath nicht leicht. ,, Ich finde es interessant, dass er seine Libretti selber geschrieben hat ‚’, meint er . Außerdem sei er eben ,,unser deutscher Komponist.’’

Mit Geduld nach Bayreuth


58 000 Karten pro Saison, 600 000 nach Bayreuth ist für Normalsterbliche mühsam. Dreizehn Jahre dauert es im Durchschnitt, bis dem Wagnerianer Erlösung winkt. ,, Sie müssen hartnäckig Jahr für Jahr anfragen, sonst fallen sie aus dem Computer.’’ Für Mitglieder der Wagner-Verbände verkürzt sich die Wartezeit um die Hälfte. Die Vorstände sind fast immer auf dem ,,Hügel’’ dabei. Die Kartenbesorgungen ist freilich nur ein Teil der Aktivitäten. Jede Ortsgruppe vergibt jährlich Stipendien, die jungen Künstlern den Besuch der Festspiele ermöglicht, inklusive Blick hinter die Kulissen und die Chance, Kantakte zu knüpfen. Am kommenden Samstag., 28. September, präsentieren sich die diesjährigen Stipendiaten Martina Kellermann (Sopran) und Natascha Valentin (Mezzosopran) ab 15.30 Uhr im Solinger Klingenmuseum. Auf dem Programm steht nicht nur Wagner, auch Mozart, Schubert, Sementa, Satie, Verdi, Faure, Offenbach, Johann Strauß und andere.
Ein Beleg, das die bergischen Wagner-Freunde sich nicht als Weihrauch schwenkende Gralshüter betrachten. ,,Wir sehen auch die Person Wagners mit ihren Stärken und Schwächen’’ , sagt der Vorsitzende. Zum Beispiel die mangelnde Fähigkeit des Meisters, Geld zusammen zu halten. Schade, dass ihm damals kein Vermögensberater zu Seite stand.


Rückblick 2002

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